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Freiheit als Ethik bei Nietzsche PDF Drukuj E-mail

Man kann Nietzsches Kritik der Moralität als ein Versuch verstehen, eine neue Ethik der Freiheit zu entwickeln. Und zwar nicht im Sinne der Freiheit des freien Willen, aber als Freiheit des Schaffens in der weitesten Bedeutung; der Übermensch bei Nietzsche ist eben ein kreatives Subjekt, das neue Werte schafft. Dazu braucht der Übermensch aber eine negative Freiheit, Freiheit vom Ressentiment, oder - metaphorisch gesprochen -die Erlösung von aller möglichen Erlösung.

Als Theorie des Praxis der Freiheit verstehe ich zwar die "metaphysische" Vorstellungen des Übermenschen und der ewigen Wiederkehr. Diese Vorstellungen können auch als Metaphorik der praktischen Philosophie verstanden werden. Ich lege die erste Rede Zarathustras (Von den drei Verwandlungen) so aus, um diese Interpretation zu unterstützen.

Es ist auch interessant zu fragen, ob diese praktische Philosophie nicht ganz veraltet sei. Der Standpunkt Nietzsches ist ex definitione unzeitgemäß, in anderen Worten: durchaus utopisch (etwa im Sinne Mannheims). Nietzsche richtet sich mit dieser Ethik der Freiheit gegen allen Ideologien, bleibt er aber nicht selber ideologisch? Sein Entwurf kann niemals einen sozialen Grund haben; das Intersubjektive ist auch seine Achillesferse. Und deshalb scheint es mir selbstverständlich, dass es keinen "wirklichen" Nietzscheaner, der mit Nietzsche ganz einverstanden wäre, gab und gibt.


 

Erschienen in: Zeitenwende - Wertenwende, Renate Reschke (Hg.), Akademie Verlag, Berlin 2001

 
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